#19 Fragilität

In dieser Folge beschäftige ich mich mit Fragilität und wie Robin DiAngelos Konzept von White Fragility hilfreich auch für andere Arten von Fragilität ist.

Die Rubriken zuerst:

  • Ich gspürmi, ich fühlmi (gestresst, müde, unwohl)
  • WTF (an das Regenbogenhaus, ein an sich tolles und wichtiges Projekt, um der queeren Community in Zürich einen Raum zu schaffen, die es aber nicht schaffen, auch nur eine einzige nicht-weisse Person in den Vorstand zu bekommen).
  • OMG (Massagebälle. In Zeiten von Stress und Rückenschmerzen sind sie für mich da, wenn ich sie brauche. Ich liebe Massagebälle.)
  • #payaqueer fällt diesmal aus, dafür ein Aufruf, abstimmen zu gehen (Ja für die Konzerninitiative, auch wenn es nur Imagepflege ist (siehe den Artikel in Das Lamm: Die Konzernverantwortungsinitiative ist pseudodemokratisch) und, wenn du in Zürich wahlberechtigt bist, ja für die Initiative Sportstadt Zürich, damit auch sozial Benachteiligte im Sommer in die Badi können und mehr am Sportangebot allgemein teilnehmen können. Und überhaupt, Ja für ein Verbot der Finanzierung von Kriegsmaterialproduzenten, und weitere linke Anliegen).

Mit Fragilität beschäftige ich mich im Moment viel, da ich in letzter Zeit mehrmals in Situationen war, in denen Fragilität gegen mich gerichtet war.

Wo kommt der Begriff her? Ich nehme ihn aus dem Diskurs rund um White Fragility. Diesen Begriff hat die schwarze Forscherin und Aktivistin Robin DiAngelo geprägt, um eine typische Reaktion weisser Menschen zu beschreiben, wenn sie auf ihren Rassismus angesprochen werden. DiAngelo hat dazu ein Buch geschrieben: White Fragility: Why It’s So Hard for White People to Talk About Racism, eine Kurzfassung gibt es in diesem Paper: White Fragility.

Ich lese aus dem Paper auf Seite 57 vor, wo Weisse Fragilität prägnant zusammengefasst wird. Es geht um sehr emotionale Reaktionen mit Wut, Angst oder Scham, wenn eine rassistische Verhaltensweise angesprochen wird. Diese führen entweder zu langen Diskussionen, Schweigen oder ein Sich-Entfernen aus der Situation. Alle diese Reaktionen führen dazu, dass der Status Quo bestätigt wird, da eine echte Auseinandersetzung mit dem eigenen Rassismus durch diese Überforderungsreaktion vermieden wird.

Auf dieser Basis mache ich mir Gedanken dazu, wie Fragilität auch z.B. im Kontext von Gender als Umgehungsstrategie genutzt wird. Ich beschreibe eine Situation aus meiner Weiterbildung, in der ich mich sehr viel Fragilität ausgesetzt fühlte und wie es mir geholfen hat, die Verhaltensweisen als Fragilität zu sehen bzw. zu reframen. Gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass ich als weisse Person (insbesonders als weiblich sozialisierte weisse Person) ebenso White Fragility praktiziert habe und es ein Reflex ist, den ich selber gut kenne.

Psychologisch betrachtet ist das Problem von Fragilität, dass es eine Strategie zur Problemvermeidung ist. Maximale Überforderung tritt an die Stelle einer reflektierten Einschätzung der eigenen Situation. Nun geht es mir nicht darum, Gefühle der Überforderung bzw. eine Fragilitätsreaktion kleinzureden. In bestimmten Settings wie z.B. Therapie / Beratung dürfen diese Gefühle da sein und auch im Alltag kann es mal passieren. Wichtig ist aber, was danach kommt: Bleibe ich in der Überforderungshaltung oder setzte ich mich damit auseinander, was mein Handeln bei anderen auslöst bzw. wem ich mit meiner Reaktion schade? Komme ich zu einer besseren Lösung, als mich einfach zu verkriechen und so zu tun, als sei nichts geschehen? Kann ich an meinen Fehlern wachsen oder bleibe ich in ihnen stecken?

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